Einsteintag 2006 der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

15.12.2006 | 19

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„Diese Festsitzung zum Einsteintag ist eine Novität“, sagte Akademiepräsident Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Stock in seiner Grußansprache zum Einsteintag 2006 der Berlin-Brandenburgi-schen Akademie der Wissenschaften vor den rund 700 Teilnehmern im Potsdamer Nikolaisaal. Mit ihrer zweiten jährlichen Festsitzung knüpft die Akademie an eine Tradition der Preußischen Akademie der Wissenschaften an und würdigt mit der Namensgebung zugleich das wohl bedeutendste Akademiemitglied des 20. Jahrhunderts. Potsdam sei dafür der ideale Ort, so Günter Stock, da Einsteins Wirken mit dieser Stadt eng verbunden sei. Die Berlin-Branden-burgische Akademie der Wissenschaften unterscheide sich von den anderen Akademien nicht nur dadurch, „dass sie eine Hauptstadt- und Arbeitsakademie ist, sondern auch, weil sie von zwei Ländern gegründet wurde und unterhalten wird: Nämlich von Berlin und Brandenburg.“

 

Nach einem Grußwort von Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Branden-burg, wurde das neue Akademiemitglied Toni M. Kutchan vorgestellt.

 

Anders als beim Leibniztag der Akademie, so Günter Stock, stehe am Einsteintag nicht die Institution im Mittelpunkt, „sondern die Wissenschaft, die wissenschaftliche Arbeit der Akademie und ihrer Mitglieder in unterschiedlichen Kontexten und Formaten“. Um für zentrale wissenschaftliche Themen ein Forum und ein regionales wie überregionales Netzwerk zu schaffen, wurde von der Akademie im zurückliegenden Jahr die Initiative „Jahresthemen“ ins Leben gerufen. Akademiemitglied Prof. Dr. Wolf Lepenies führte in das Jahresthema 2007/2008 ein, das dem Themenschwerpunkt „Europa im Nahen Osten – Der Nahe Osten in Europa“ gewidmet ist. Der Festvortrag des Einsteintages 2006 „Koran, Dschihad und Moderne“ galt diesem Jahresthema und wurde von dem Islamwissenschaftler und Semitisten Professor Dr. Stefan Wild gehalten.

 

Er vertrat die These, dass das Verhältnis von Muslimen zu ihrem Heiligen Buch und ihre Lehre vom so genannten Heiligen Krieg (Dschihad) „weithin als Indikatoren dafür gelten, dass sie nicht durch Aufklärung und Säkularisierung gegangen sind“. Sein Vortrag stellte den Koran der jüdischen Schrift gegenüber und verglich die unterschiedlichen Vorstellungen von Gewalt in den drei Schwesterreligionen Judentum, Christentum und Islam. „Im ersten Weltkrieg“, so Stefan Wild, „markierte die vom letzten Kalif vertretene Interpretation des Heiligen Krieges als antikolonialer Defensivkrieg eine neue Hermeneutik“. Die terroristischen Aktionen moderner Dschihadisten werden, so seine Einschätzung, weniger in der Moschee geplant als im Internet. Sie stehen für eine globalisierte, die Religion der Machtpolitik unterwerfende Strömung im Islam, welche die gewalttätigen Schattenseiten der Moderne verkörpert.

 

In Zukunft wird der Einsteintag auch als Forum dienen für die wissenschaftlichen Nachwuchspreise der Akademie sowie für die Verleihung des geplanten Nachwuchspreises der Stadt Potsdam. Ein neuer Preis wurde schon in diesem Jahr ausgelobt: der mit 1000 Euro dotierte Liselotte-Richter-Preis der Potsdamer Arbeitsstelle des Akademienvorhabens „Leibniz-Edition“. Er wurde nach der ersten deutschen Professorin für Philosophie und Religions-geschichte benannt, ist für Schüler der Oberstufe bestimmt, soll für die kritische Edition einer Handschrift von Leibniz vergeben und auf dem Einsteintag 2007, der wiederum in Potsdam stattfindet, verliehen werden.

 

 

 

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